Vom Landschaftsgärtner zum Gründer
Was ich unterwegs gelernt habe und warum ein Garten mehr ist als ein Projekt
Manche Lebensläufe passen in eine Schublade. Dieser hier nicht. Marcial Endres hat sich bewusst gegen den klassischen, geradlinigen Weg entschieden und stattdessen die Vielseitigkeit gesucht, die das Grün so besonders macht. Heute steht er mit SundGartenbau für Gärten, die nicht nur beeindrucken, sondern bleiben. Im Gespräch erzählt er von prägenden Stationen, leisen Aha Momenten und von einem Ort, an dem Garten plötzlich Bühne wird.
Redaktion: Marcial, wenn du deinen Weg in einem Satz beschreiben müsstest, was ist die rote Linie?
Marcial: „Meine rote Linie ist: Aus Wünschen wird Lebensraum. Am Ende soll der Garten nicht nur gut aussehen, sondern gut tun.“
Redaktion: Du bist nicht den klassischen Meister oder Techniker Weg gegangen. Warum war dir Praxis wichtiger?
Marcial: „Wissen ist für mich nicht das, was man liest oder hört, sondern das, was man verstanden hat und draußen auf der Baustelle zuverlässig umsetzen kann. Die grüne Branche ist riesig. Sie reicht von Pflanzenproduktion und Pflege bis hin zu Wasser, Technik und Gestaltung. Mir war schnell klar: Diese Vielseitigkeit lerne ich am besten dort, wo sie passiert. Draußen, in Projekten, im echten Alltag.“
Redaktion: Du hast viele Stationen durchlaufen. Was hast du daraus mitgenommen?
Marcial: „Ich war über zehn Jahre in renommierten Betrieben im gehobenen Privatgartenbau unterwegs. Dort lernst du Präzision, Gestaltung und die Erwartungshaltung anspruchsvoller Kunden.
Parallel habe ich mich im Bereich Naturschwimmteiche und Naturpools sowie in der professionellen Grünpflege weitergebildet, sowohl im privaten als auch im gewerblichen Umfeld. Mich fasziniert dabei vor allem das Zusammenspiel aus Natur, Technik und langfristiger Funktion.
Später kamen besondere Projekte dazu, unter anderem Indoor Begrünungen und Wasserwände, die in großen Unternehmensumfeldern installiert und gepflegt werden. Und ich wollte auch die Pflanze selbst besser verstehen. Deshalb habe ich zeitweise in der Produktion gearbeitet, im Obst und Gemüsebereich sowie im Rosenanbau. Mit echtem Alltag rund um Anbau, Ernte und Lagerung.
Zum Schluss habe ich Teams für Außenanlagen auf einer ausgezeichneten Fünf Sterne Freizeitanlage mit Golfplatz und Windsurf Resort geleitet. Wenn ich das zusammenfasse: Ich habe den Garten aus fast allen Perspektiven kennengelernt. Gestaltung, Technik, Pflege, Pflanzen und Ablauf. Und genau daraus entsteht heute die Sicherheit, Projekte nicht nur schön, sondern stimmig zu bauen.“
Ein Kapitel, das bleibt: Blühendes Barock Ludwigsburg
Redaktion: Es gibt Stationen, die Menschen verändern. Welche war das für dich?
Marcial: „Das Blühende Barock in Ludwigsburg. Diese Anlage liegt am Residenzschloss, und sie ist nicht einfach nur ein Park. Sie ist ein Ort, an dem Geschichte sichtbar wird und sich trotzdem jede Saison neu erfindet.
Was viele Besucher als Leichtigkeit wahrnehmen, ist in Wahrheit Rhythmus. Saisonwechsel, Pflanzbilder, Blickachsen, Logistik. Zu bestimmten Zeiten haben wir in kurzen Fenstern riesige Stückzahlen gesetzt, teils über 100.000 Zwiebeln oder Stauden, damit ein Garten am Ende wirkt, als wäre er einfach so entstanden.
Und dann sind da die Momente, in denen Garten zur Bühne wird. Wenn eine Gartenschau in Themen denkt, in Bildern, in Atmosphäre, dann lernst du: Ein Garten ist nicht Dekoration. Er erzählt Geschichten.
Prägend war auch das Team. Damals war Volker Kugel Direktor des Blühenden Barocks und damit auch eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Um ihn herum waren nicht nur klassische Fachprofile wie Meister, Techniker oder Ingenieure. Da waren Menschen, die Botanik als Lebenswerk gelebt haben, darunter Spezialisten mit Erfahrungen aus unterschiedlichen Regionen und Traditionen. Von diesen Menschen durfte ich lernen.
Und es gibt diese stillen Augenblicke, die man nicht plant. Du stehst vor sehr alten Bäumen, pflegst sie, beobachtest sie, und begreifst plötzlich: Ein Garten ist Zeit, die sichtbar wird. Diese Zeit hat mich geprägt. Sie hat Respekt gelehrt. Und sie hat den Maßstab gesetzt, an dem ich heute noch messe.“
Redaktion: Was sind typische Denkfehler, die du bei Gartenprojekten immer wieder siehst?
Marcial: „Viele denken bei Garten zuerst an einzelne Lösungen. Hier ein Weg, dort eine Terrasse, später vielleicht der Rest. Das Problem ist: Ein Garten funktioniert als System. Wasser, Höhen, Nutzung, Pflege, Wegeführung. Wenn man Stück für Stück ohne Gesamtbild baut, wird es später oft teurer, aufwendiger und manchmal qualitativ schlechter.
Und ganz klassisch: Man sieht die Oberfläche, aber nicht das Fundament. Beim Unterbau oder bei Tragschichten zu sparen rächt sich meist erst nach dem ersten oder zweiten Winter.“
Redaktion: Woran erkennt man als Laie eine gute Ausführung?
Marcial: „Bei Wegen hört man Qualität tatsächlich. Nichts darf klappern, nichts darf sich lösen. Das Fugenbild wirkt ruhig und gleichmäßig, und nach Regen muss das Wasser sauber ablaufen. Entscheidend ist, dass Gefälle, Anschlussdetails und Aufbau zusammenpassen.
Bei Holzterrassen merkt man es beim Laufen. Sie fühlen sich satt und stabil an. Schrauben oder Clips sind sauber gesetzt, das Holz ist sauber verarbeitet, und die Unterkonstruktion ist wirklich der Kern. Wenn sie nicht stimmt, hilft die schönste Diele nicht. Auch die Entwässerung muss so gedacht sein, dass Wasser zuverlässig abgeführt wird. Die Wahl der richtigen Befestigung und der saubere Aufbau darunter entscheiden oft über Jahre hinweg über Haltbarkeit und Eindruck.“
Redaktion: Was macht den größten Unterschied, damit Flächen im Winter dauerhaft bleiben?
Marcial: „Die entscheidende Frage ist fast immer: Wohin geht das Wasser. Wenn Wasser im falschen Aufbau steht, kommt Frost, und dann arbeitet die Fläche. Deshalb zählen am Anfang drei Dinge: ein stimmiges Gefälle, die richtige Entscheidung zur Entwässerung, gegebenenfalls mit Drainage, und ein Unterbau, der fachgerecht in Schichten aufgebaut und verdichtet wird. Das sieht man später nicht, aber man spürt es über Jahre.“
Redaktion: Pflegeleicht ist ein großes Wort. Was ist Realität, was ist Mythos?
Marcial: „Pflegeleicht heißt nicht pflegefrei, sondern klug geplant. Es gibt Pflanzen, die mit wenig Schnitt auskommen, und Kombinationen, die sich gegenseitig stabilisieren. Ein Garten ist eine Symbiose. Je besser sie geplant ist, desto weniger Arbeit entsteht später.
Ein Mythos ist dagegen: Ohne Pflanzen ist weniger Arbeit. Dann fehlt Leben, und oft entstehen andere Probleme. Vor allem fühlt es sich nicht mehr wie ein Garten an.“
Redaktion: Warum hast du am Ende gegründet?
Marcial: „Der Gedanke war schon seit der Lehrzeit da. Der Auslöser war dann sehr konkret: Ich hatte viele Ideen und viel Wissen und irgendwann gemerkt, dass ich es in der damaligen Struktur nur begrenzt einbringen kann. Mein Anspruch an Umsetzung und Qualität war größer. Also habe ich den Schritt gemacht.“
Redaktion: Wofür steht SundGartenbau in drei Worten?
Marcial: „Wertschätzung, Qualität, Leidenschaft.“
Redaktion: Und was bedeutet das im Alltag?
Marcial: „Wertschätzung heißt für uns: zuhören, ehrlich beraten und das Zuhause der Menschen respektieren. Qualität heißt: Wir machen die Dinge richtig, auch dort, wo man es später nicht sieht. Leidenschaft heißt: Wir bauen nicht einfach Flächen. Wir denken mit, gestalten mit und bleiben dran, bis es wirklich passt.“
Redaktion: Was unterscheidet euch von anderen Betrieben?
Marcial: „Wir verbinden traditionelle Gartenkultur mit moderner Technik. Unmöglich gibt es bei uns selten. Meist ist es der Anfang einer besseren Idee. Und wir sehen den Garten nicht als Projekt mit Start und Ende. Für uns ist er eine Reise. Von der ersten Skizze bis zu dem Moment, in dem man abends im eigenen Garten sitzt und merkt: Das hier ist mehr als Gestaltung. Das ist ein Ort.“
Redaktion: Welche Art Projekte machen dir heute am meisten Freude?
Marcial: „Neuanlagen und Umgestaltungen. Weil es jedes Mal faszinierend ist, wie aus einer Vision auf Papier ein echter Lebensraum wird, für Menschen und für Tiere. Und weil ein guter Garten nicht nur schön ist. Er bringt Ruhe, Energie und Alltag zurück ins Gleichgewicht.“
Redaktion: Wenn Leser nur eine Sache mitnehmen, welche soll das sein?
Marcial: „Ein Garten ist mehr als ein Wert auf dem Papier, auch wenn eine hochwertige Anlage den Immobilienwert erhöhen kann. Vor allem ist er ein Ort für die Seele. Wenn man ihn richtig plant, schenkt er über Jahre Lebensqualität.“

